AcU-Newsletter 01/2017 (März 2017)

Im Interview

Wohin entwickelt sich die AVR? Erwartungen an die Arbeitsrechtliche Kommission der Caritas (AK)

Interview mit Thomas Gäde, Geschäftsführer der Stiftung der Cellitinnen zur hl. Maria, Köln; Vorstandsmitglied der AcU

Herr Gäde, die neue Entgeltordnung in der Pflege wird derzeit umgesetzt. Wie läuft die Umsetzung in Ihren Einrichtungen und wie bewerten Sie die Konsequenzen für Ihren Träger?
Während in unseren Seniorenhäusern die Tariferhöhung mit der Gehaltszahlung im Februar und parallel auch die Überleitung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Pflege in die neuen P-Tabellen vorgenommen wurden, steht die systematische Umsetzung für unseren Krankenhausbereich erst im April an. Die Mitarbeitervertretungen sowie die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wurden in beiden Branchen zeitnah über die neue Entgeltordnung und die AK-Beschlüsse informiert.
Wir gehen davon aus, dass viele Betroffene die Jahresfrist zur Abgabe eines Antrags auf Höhergruppierung nutzen werden. Wir werden dann wohlwollend jeden Einzelfall prüfen. Dabei werden die fehlenden tariflichen Definitionen für neue Berufsbezeichnungen sowie für neu eingebrachte unbestimmte Rechtsbegriffe wie Case-/Caremanagement oder Leitungsfunktionen mit "in der Regel nicht mehr als 12 unterstellten Beschäftigten" zu Umstellungsproblemen, Rechtsunsicherheit und unter Umständen auch zu Unzufriedenheit führen. Schade finde ich auch, dass ein Teil der angekündigten Gehaltssteigerungen für pflegerische Qualifizierungen in der Praxis offenbar scheitern werden, da dieser Personenkreis im Regelfall die Eingruppierungsvorgabe "überwiegende Tätigkeit" nicht erfüllen wird (z. B. Praxisanleiter, Wundmanager).
Ich hoffe, die Beteiligten werden gleichwohl auch die Chancen erkennen, die sich durch den Interpretationsspielraum zur Eingruppierung im Einzelfall bieten werden. Letztlich werden dann aber wohl - wie üblich - die Gerichte die entstandenen Gesetzeslücken auf Sicht ausfüllen.
Positiv hervorheben möchte ich noch die Einführung der neuen Stufe P4 für die Pflegehelfer. Durch den Verzicht auf ein "blindes Abschreiben" der Regelungen im TVöD wurde durch die AK dem Regelungsbedarf für unsere Seniorenhäuser in adäquater Weise begegnet. Eine erfolgreiche Weiterbildung und eine entsprechend verantwortliche Position in der Einrichtung müssen sich auch im Gehalt niederschlagen. Daher war uns eine deutlichere Spreizung des Gehalts in der Pflege zwischen Helfer, Examinierten, Weitergebildeten und den diversen Leitungspositionen sehr wichtig.

Die neue Legislaturperiode der AK hat begonnen. Als erstes steht die Reform der Anlage 2 auf der Agenda. Was muss aus Sicht der Praxis hierbei unbedingt beachtet werden?

Aus unserer Sicht sollte unbedingt eine Trennung der Berufsgruppen in die Bereiche Verwaltung, Medizinisch-Technischer Dienst (MTD) sowie Wirtschafts- und Versorgungsdienst in der Anlage 2 erfolgen. Eine Fokussierung auf die tatsächlichen Einsatzgebiete der Berufsgruppen halten wir für erforderlich; zum Beispiel sollte der MTD in den Arbeitsbedingungen wie Arbeitszeitregelung, Urlaub oder Vergütung eher dem Pflegebereich angepasst werden, mit dem er auch funktional zusammenarbeitet als etwa der Hauswirtschaft oder der Verwaltung. Bestenfalls wäre natürlich die Abschaffung, mindestens aber die Angleichung der Anlagen wünschenswert, um mit übergreifenden allgemeinen Regelungen und Arbeitsbedingungen wieder eine gemeinsame Basis für die Beschäftigten im Krankenhaus oder im Seniorenhaus zu schaffen: Ich hoffe, dies wird kein Wunschtraum bleiben. Da scheint es schon eher erreichbar, dass im Sinne der Personalverwaltung unbürokratische Übergangsregelungen mit wenigen Ausnahmen bzw. möglichst wenigen Einzelfallregelungen zur Anwendung kommen, die automatisiert umgesetzt werden können. In der Praxis haben wir in der Verwaltung ein sehr breites Spektrum an Eingruppierungsmöglichkeiten, das ohne Probleme "eingedampft" werden kann. Wünschenswert wäre natürlich auch eine Umsetzung ohne Besitzstandsregelungen und zukünftige Anpassungen aufgrund wegfallender Bewährungsaufstiege. Im Bereich der Leitungskräfte muss darauf geachtet werden, dass z. B. eine Seniorenhausleitung eine höhere Vergütung als eine Pflegedienstleitung in einer vergleichbaren Einrichtung erhält, damit diese wichtigen Managementfunktionen auch in Zukunft attraktiv bleiben. Der Bewerbermarkt ist in diesem Bereich ohnehin bereits heute sehr eng.

Die AK verhandelt die tariflichen Rahmenbedingungen der Zukunft. Was wollen Sie der AK mit auf den Weg geben? Was sähen Sie gerne in den AVR abgebildet?

Ich würde mich freuen über:

- die Abbildung von verschiedenen Branchen in der AVR und damit die Abkoppelung vom BAT/TVöD,

- die stärkere Einbeziehung von Praktikern in die Umsetzungsüberlegungen,

- mehr Durchlässigkeit und Informationen über die AK-Tätigkeit und

- die Beibehaltung der sachgrundlosen Befristung.

 

Wir danken Herrn Thomas Gäde für dieses Interview!

Aktuelles

Personalbemessung in Krankenhäusern

Zum Thema Personalbemessung in der Pflege wird derzeit viel diskutiert. Im aktuellen Dienstgeberbrief Nr. 01/2017 haben der Leitungsausschuss der Dienstgeberseite der AK, der Katholische Krankenhausverband Deutschlands e.V. (KKVD) und die Arbeitsgemeinschaft caritativer Unternehmen (AcU) eine gemeinsame Position zur Personalbemessung in Krankenhäusern mit dem Titel "Finanzierung für Mindestbesetzung und Personalbemessung in Krankenhäusern sichern" veröffentlicht. Darin heißt es: "Gemeinsame Position ist: dass eine tarifliche Regelung zur Mindestbesetzung den Problemen nicht gerecht wird. Vielmehr ist die Frage der Refinanzierung zu klären und eine kluge Personalbemessung zu finden. Dies sind jedoch keine Fragen, die in Tarifauseinandersetzungen geklärt werden können."

Der ganze Artikel ist unter www.caritas-dienstgeber.de nachzulesen.

Tagungen und Schulungen

Save the Date: AcU-Fachtagung am 19. September 2017

Der Titel der diesjährigen AcU-Fachtagung lautet: Zukunft macht erfinderisch - Tarifliche Rahmenbedingungen stärken" und findet am 19.09.2017 in Frankfurt im Haus am Dom statt. Die AcU lädt alle Dienstgeber aus Caritas und Kirche herzlich ein, an dem Austausch und den Diskussionen zur Frage "Welchen Beitrag kann die AK für die Zukunft der caritativen Unternehmen leisten?" teilzunehmen. 
Bitte merken Sie sich den 19.09.2017 bereits heute im Kalender vor. Weitere Informationen zur AcU-Fachtagung 2017 werden im April 2017 auf der AcU-Homepage eingestellt. 

Veranstaltungshinweis zur AcU-Fachtagung 2017

Zukunft macht erfinderisch - Tarifliche Rahmenbedingungen stärken
Welchen Beitrag kann die AK für die Zukunft der caritativen Unternehmen leisten?
Wann: 19. September 2017 von 10.30 - 16.00 Uhr
Wo:     Frankfurt, Haus am Dom

Herausgeber:

Arbeitsgemeinschaft caritativer Unternehmen (AcU)
Wittelsbacherring 11
53115 Bonn

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Fax +49 228 926 166 11

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