AcU-Newsletter 02/2017 (Juni 2017)

Im Interview

Tarifpolitische Ziele der AcU

Interview mit Dr. Matthias Scholz, Bereichsleiter Personal, Malteser Deutschland gemeinnützige GmbH, Köln; stellv. Vorstandsvorsitzender der AcU

Herr Dr. Scholz, die AcU hat ihre tarifpolitischen Ziele für die aktuelle Legislaturperiode der AK formuliert. Welche Aspekte sind aus Ihrer Sicht besonders wichtig?

Ich finde die Schwerpunktsetzung der AcU genau richtig. In den Mitgliedsunternehmen der AcU sind die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Pflege nicht nur die größte Berufsgruppe, sondern wir sind auch davon überzeugt, dass wir in der Pflege eine besondere Kompetenz haben. Daher ist es nur konsequent, wenn die AcU fordert, in der kommenden Legislaturperiode der Arbeitsrechtlichen Kommission ein besonderes Augenmerk auf die Pflege zu richten und hier durch innovative tarifliche Regelungen zum Vorreiter in Deutschland zu werden. Das braucht allerdings den Mut von allen Beteiligten in der AK, solche Wege auch zu beschreiten. Wenn eine Seite hier vornehmlich auf den TVöD schielt, wird eine weitere Chance vergeben, Tarifpolitik für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und die Träger in der Caritas zu machen.

Auch das zweite Schwerpunktthema der AcU, die Gestaltung der betrieblichen Altersvorsorge, halte ich für richtig gesetzt. Wie der öffentliche Dienst, an den wir hier angebunden sind, stehen wir vor dem Problem, ein System fortführen zu müssen, das vor rund vierzig Jahren unter ganz anderen Rahmenbedingungen erfunden wurde. Dass negative Renditen z. B. bei öffentlichen Anleihen einmal fast die Regel sein werden, hätte vor wenigen Jahren noch niemand geglaubt. Heute ist es Realität und gleichzeitig geben die Träger in der Caritas weiterhin mit jedem neuen Arbeitsvertrag, den sie abschließen, ein Versprechen für eine betriebliche Altersvorsorge ab, deren Rendite über 5 % liegt. Wie soll das funktionieren, ohne immer weiter an der Beitragsschraube zu drehen? Also muss es doch darum gehen, die betriebliche Altersvorsorge der Caritas wieder auf eine Basis zu stellen, auf der die beiden Flügel der Altersvorsorge - Attraktivität für die Mitarbeitenden und Finanzierbarkeit - in einem annähernden Gleichgewicht sind. Ich weiß, dass auch dies ein Reizthema ist. Aber die Augen vor diesen Themen zu verschließen oder sich dem Ausloten von Möglichkeiten komplett zu verschließen, hilft nicht. Je eher dieses Thema in der AK mit angegangen wird desto besser.

Welche tarifpolitischen Impulse für die AVR würde die Malteser Deutschland gemeinnützige GmbH besonders begrüßen?

Für die Malteser Deutschland gemeinnützige GmbH ist das Bemühen der AcU, der Pflege einen prominenten Platz in der Tarifpolitik zu geben, genau richtig. Wir haben bei uns vor einigen Monaten auch mehrere Initiativen gestartet, um die Pflege in unseren Einrichtungen zu stärken und gleichzeitig diesen wichtigen Beruf wieder attraktiver zu machen. Dabei legen wir Wert auf langfristig wirkende Maßnahmen und haben weniger Kurzfristiges zum Ziel. Insofern würden hier tarifliche Regelungen, die dies unterstützen, bestens dazu passen. Gleichzeitig ist uns als Träger von mehr als dreißig Altenhilfeeinrichtungen aber auch wichtig, beim Thema Pflege nicht nur und ausschließlich auf die Krankenpflege zu sehen. Aus unserer Sicht muss sich das Tarifgeschäft in der Arbeitsrechtlichen Kommission (AK) auch um die Pflege in der Altenhilfe kümmern.

In der Malteser Deutschland würden wir es begrüßen, wenn in den AVR die Übernahme von Verantwortung durch Mitarbeiter - gleich auf welcher Stufe - besser honoriert werden würde. Die Schritte, die durch die Anpassung in der Krankenhauspflege gegangen worden sind, zielen in die richtige Richtung. Ich würde mir wünschen, dass die neue Arbeitsrechtliche Kommission (AK) hier kreativ zu Werke geht. Da kann auch ruhig mal auf andere Tarifsysteme geschaut werden, was dort in dieser Frage gemacht wird. Beim TVöD findet man leider nicht viel.

Schließlich glaube ich, müssen wir uns im Tarifsystem der Caritas Gedanken machen, wie wir den Flexibilisierungsmöglichkeiten am Ende des Berufslebens, die zum Beispiel durch die gesetzlichen Neuregelungen bei der Rente, Stichwort Flexirente, bestehen, auch in einem Tarifsystem wie den AVR einen Platz geben können.

Wenn Sie ein Motto ausgeben könnten, wie würden Sie die laufende Legislaturperiode der AK betiteln?

Kreativ verhandeln, nicht kopieren!

 

Wir danken Herrn Dr. Matthias Scholz für dieses Interview!

PS  Die Position "Tarifpolitische Ziele der AcU" ist auf der Startseite der AcU-Homepage  unter www.a-cu.de  nachzulesen.

Tagungen und Schulungen

AcU-Fachtagung am 19. September 2017 in Köln

Der Titel der diesjährigen AcU-Fachtagung lautet "Zukunft macht erfinderisch - Tarifliche Rahmenbedingungen stärken" und findet am 19.09.2017 in Frankfurt im Haus am Dom statt. Die AcU lädt alle Dienstgeber aus Caritas und Kirche herzlich ein, an dem Austausch und den Diskussionen zur Frage "Welchen Beitrag kann die AK für die Zukunft der caritativen Unternehmen leisten?" teilzunehmen. 

Titel:   Zukunft macht erfinderisch - Tarifliche Rahmenbedingungen stärken
           Welchen Beitrag kann die AK für die Zukunft der caritativen Unternehmen leisten?
Wann: 19. September 2017 von 10.30 - 16.00 Uhr
Wo:     Frankfurt, Haus am Dom

Weitere Programminformationen und ein Anmeldeformular unter www.a-cu.de

In eigener Sache

AcU-Jahresbericht 2016 erschienen

Anfang Juni 2017 ist der AcU-Jahresbericht 2016 erschienen. Traditionell besteht der Jahresbericht wieder aus einem Rückblick auf die Arbeits- und Themenschwerpunkte des vergangenen Jahres und einem Ausblick auf die aktuellen Themen und Projekte der AcU im laufenden Jahr. 

Hinweisen möchten wir besonders auf den Artikel "Zukunft der Pflege in der Caritas", der die Aufmerksam auf die Entwicklung einer Leitwährung für die Pflege richtet. Zudem haben wir für den Artikel "Unterschiedliche Blickwinkel" vier Akteure gebeten, ihre jeweilige Perspektive auf die aktuelle Legislaturperiode der AK zu schildern. Weitere Themen im aktuellen AcU-Jahresbericht 2016 sind: "Reformen bei der KZVK" und "Personalausstattung im Krankenhaus". 

Der AcU-Jahresbericht 2016 ist auf der Homepage der AcU eingestellt: http://www.a-cu.de/veroeffentlichungen/acu-jahresbericht.html

Gerne kann der AcU-Jahresbericht 2016 auch als Printversion bei der AcU-Geschäftsstelle unter info@a-cu.de angefordert werden.

Herausgeber:

Arbeitsgemeinschaft caritativer Unternehmen (AcU)
Wittelsbacherring 11
53115 Bonn

Tel. +49 228 926 166 0
Fax +49 228 926 166 11

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