AcU-Newsletter 03/2015 (Juni 2015)

Im Interview

Sozialtarif: Befürchtungen und Erwartungen

Interview mit Hans Jörg Millies, Finanz- und Personalvorstand des Deutschen Caritasverbandes e.V., Freiburg

Der Deutsche Caritasverband ist der von den deutschen Bischöfen anerkannte katholische Wohlfahrtsverband. Als Verband der Freien Wohlfahrtspflege mischt er sich in die sozialpolitische Diskussion ein und macht sich für eine gerechte und solidarische Gesellschaft stark. Unter dem Dach des Deutschen Caritasverbandes bündeln 27 Diözesan-Caritasverbände, 600 Regional- und Orts-Caritasverbände, 19 Fach- und Einrichtungsverbände sowie rund 250 überdiözesan tätige Orden ihre Arbeit. 


Herr Millies, Sie vertreten den DCV in einer Arbeitsgruppe der Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege, in der aktuell auch über den Sozialtarif gesprochen wird. Können Sie uns etwas zum Stand und zu den Zielen der Gespräche dort sagen?

Schon seit längerem sprechen die Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege über die Frage, wie dem Lohnkostenwettbewerb, der beispielsweise in Arbeitsfeldern wie der Altenhilfe teilweise ruinöse Züge angenommen hat, Einhalt geboten werden kann. Das gemeinsame Ziel aller Wohlfahrtsverbände ist es, von einem Lohnkostenwettbewerb zu einem Qualitätswettbewerb zu kommen, der nicht auf dem Rücken der Beschäftigten ausgetragen wird. Dies wird allerdings nur gelingen, wenn die Akteure des Zweiten und Dritten Weges bereit sind, gemeinsam für die Durchsetzung tariflicher Vergütung am Markt zu kämpfen. Die Tatsache, dass wir uns schon so lange mit diesem Thema beschäftigen, zeigt, dass das Thema rechtlich und politisch anspruchsvoll ist. Doch wir werden uns trotz aller Herausforderungen und Hürden verbandsübergreifend weiterhin intensiv für die Verbesserung der Verhältnisse einsetzen. 

Der Sozialtarif ist etwas für Tarifparteien. Dazu gehört der Dritte Weg nicht. Wie sollte sich - Ihrer Meinung nach - der Dritte Weg verhalten, um sich vielleicht auch selber zu schützen?
Der Begriff "Sozialtarif" ist nicht abschließend definiert und lässt daher Raum für Spekulationen, Befürchtungen und Erwartungen. Für den Deutschen Caritasverband steht fest, dass wir uns nur an Aktivitäten beteiligen und damit das Gewicht unseres Marktanteiles in die Waagschale werfen können, wenn die übrigen beteiligten Partner das kirchliche Arbeitsrecht, das heißt den Dritten Weg, respektieren. Dazu gehört, unsere Arbeitsrechtliche Kommission als gleichwertigen Verhandlungspartner anzuerkennen. Der Vorstand des Deutschen Caritasverbandes hat sich hierzu entsprechend positioniert.

Wo liegen die Vor- und Nachteile des Sozialtarifs für caritative Einrichtungen und wie beurteilen Sie deren Interesse am Sozialtarif?
Wenn es gelingt, die Entlohnung der Mitarbeitenden beispielsweise in der Altenhilfe nach unten abzusichern, dann wird sich der Abstand zwischen dem Niveau der AVR im Vergleich zu manchen Konkurrenten mit Sicherheit reduzieren. Dies würde dann auch die Wettbewerbsfähigkeit unserer Angebote verbessern. Die caritativen Einrichtungen können sich dann stärker auf den Wettbewerb um bessere Pflegekonzepte konzentrieren und durch ihre Qualität am Markt überzeugen. Unterschiede in der Entlohnung werden aber aller Voraussicht nach weiterhin bestehen bleiben, wenn auch in geringerem Ausmaß. Wir werden daher mit allen Mitteln zu verhindern versuchen, dass ein allgemeinverbindliches Lohnniveau zum Maßstab für die Refinanzierung der Personalkosten wird und Anbieter, die die AVR anwenden, ihre Vergütungen nicht mehr refinanziert bekommen. Bei aller Skepsis, die beim Beschreiten neuer Wege zweifellos geboten ist, erlebe ich bei vielen Verantwortlichen aus den Diensten und Einrichtungen der Caritas großes Interesse und auch eine gewisse Hoffnung, in der Frage der zukunftssicheren Refinanzierung unserer Angebote auf diese Weise ein gutes Stück näher zu kommen.


Wir danken Herrn Hans Jörg Millies für dieses Interview!

Tagungen und Schulungen

AcU-Fachtagung 2015 - Programm veröffentlicht
08. Oktober 2015 in Köln, 10.30 bis 16.00 Uhr 

Das Programm zur AcU-Fachtagung 2015 mit dem Titel "Caritative Unternehmen - Anforderungen an ein katholisches Profil" wurde in den vergangenen Tagen veröffentlicht. Die Fachtagung findet am 08. Oktober 2015 im Maternushaus in Köln von 10.30 - 16.00 Uhr statt. U.a. werden Bruder Peter Berg FMMA, Generaloberer der Barmherzigen Brüder von Maria-Hilf und Vorsitzender des Aufsichtsrates der Barmherzigen Brüder Trier gGmbH und Prälat Dr. Peter Neher, Präsident des Deutschen Caritasverbandes e.V. als Redner erwartet. Das vollständige Programm zur AcU-Fachtagung 2015 und ein Anmeldeformular sind auf der AcU-Homepage eingestellt. 

Programm / Anmeldeformular

AcU-Schulung "Aktuelle Rechtsprechung im Arbeitsrecht 2015"
04. November 2015 in Frankfurt, 10.30 - 16.00 Uhr
Referent: Dr. Guido Jansen, Vorsitzender Richter am Landesarbeitsgericht Hamm

Das Arbeitsrecht ist wie kaum ein anderes Rechtsgebiet vor allem von der höchstrichterlichen Rechtsprechung geprägt. Vor diesem Hintergrund setzt eine rechtssichere Beurteilung arbeitsrechtlicher Fragestellungen die stetige Beobachtung und Analyse der Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichtes nahezu voraus. Den Personalverantwortlichen bleibt neben der täglichen Arbeit jedoch häufig nicht genügend Zeit, aus der großen Zahl von Entscheidungen die für die Praxis wichtigsten herauszufiltern und sich mit deren Folgen zu beschäftigen. Daher bietet die AcU - neben ihren regelmäßigen Informationen - auch in diesem Jahr wieder dieses wichtige Thema in ihrem Schulungsprogramm an.

Informationen / Anmeldeformular

In eigener Sache

AcU-Jahresbericht 2014 erschienen
Ende Mai 2015 ist der aktuelle AcU-Jahresbericht 2014 erschienen. Der Jahresbericht enthält einen ausführlichen Rückblick auf die Arbeit der AcU im vergangenen Jahr und einen Ausblick auf die Themen des laufenden Jahres und darüber hinaus. Neben Artikeln von AcU-Mitgliedern und Beiträgen der AcU-Geschäftsstelle enthalten die AcU-Jahresberichte auch immer Gastbeiträge von Autorinnen und Autoren aus Caritas, Kirche, Politik und Wissenschaft. In der aktuellen Ausgabe sind folgende Artikel zu lesen:

  • Tätigkeitsbericht der Arbeitsgemeinschaft caritativer Unternehmen (AcU) für das Jahr 2014
  • Themenschwerpunkte der AcU im Jahr 2015
  • Die Mission eines Unternehmens - Was macht das christliche Profil unserer caritativen Unternehmen aus?
  • Zukünftige Herausforderungen für kirchliche Krankenhäuser - Starke Verbünde, verlässliche Finanzierungsstrukturen und zukunftsfähige Vergütungslösungen
  • Aktuelle Entwicklungen im Arbeitsrecht der Diakonie
  • Wohin führt uns der Dritte Weg? - Gedanken zur Zukunft caritativer Unternehmen und der AcU

Der AcU-Jahresbericht 2014 wird als Printversion direkt an den umfangreichen Verteiler des AcU-Netzwerkes verschickt. Der aktuelle Bericht kann aber auch von der AcU-Homepage heruntergeladen werden.

AcU-Jahresbericht 2014


Neue Mitarbeiterin in der AcU-Geschäftsstelle
Aktuell hat zum 01.05.2015 Frau Rechtsanwältin Sonja Dominikowski, LL.M. ihre Tätigkeit als Referentin für Arbeits- und Tarifrecht in der AcU-Geschäftsstelle in Bonn aufgenommen. Frau Dominikowski steht der AcU und ihren Mitgliedern insbesondere in arbeits- und tarifrechtlichen Fragen zur Verfügung.

Herausgeber:

Arbeitsgemeinschaft caritativer Unternehmen (AcU)
Wittelsbacherring 11
53115 Bonn

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