AcU-Newsletter 03/2017 (Oktober 2017)

Im Interview

Tarifliche Rahmenbedingungen stärken

Interview mit Dr. Klaus Goedereis, Vorstandsvorsitzender der St. Franziskus-Stiftung Münster; Vorstandsmitglied der AcU

Herr Dr. Goedereis, am 19. September fand die AcU-Fachtagung 2017 in Frankfurt statt. Diskutiert wurde die Frage "Welchen Beitrag kann die AK für die Zukunft der caritativen Unternehmen leisten?" Welche Aspekte der Tagung waren besonders wichtig?

Zu nennen ist hier zunächst das Thema "Altersversorgung". Es wird Zeit, die Strukturen der Altersversorgung an die Realitäten anzupassen. Es geht darum, sowohl die Seite des Leistungsversprechens der KZVK als auch die Seite der tragfähigen Beitragssätze zu diskutieren, um eine akzeptable Gesamtbelastung für alle zu erreichen. Bei der Caritas haben wir eine sehr gute Altersversorgung für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Die Dienstgeber setzen auch weiterhin auf ein gutes Angebot der Altersversorgung und haben hier auch eine Verantwortung. Es ist aber für die Unternehmen nicht möglich, die problematischen Rahmenbedingungen - wie bspw. eine lange Niedrigzinsphase - zu kompensieren. Die offenen Fragen rund um die KZVK müssen stärker in den Fokus der Tarifverhandlungen kommen. Allen Teilnehmern in Frankfurt war klar, dass der Punkt jetzt auf die Agenda der Verhandlungen muss.

Das Thema "Flexibilisierung der Arbeitszeiten / neue Arbeitszeitmodelle" steht ebenfalls oben auf der Agenda. Es muss geprüft werden, ob die jetzigen Regelungen in den AVR genügend Spielräume bieten, entweder durch übergeordnete Regelungen oder durch Dienstvereinbarungen vor Ort. Ansonsten müssen die Spielräume erweitert werden.

Intensiv diskutiert wurde auch die Frage nach der Berücksichtigung der Besonderheiten einzelner Sparten und die Unterschiede zwischen den einzelnen Branchen. Beide Fragestellungen sind relevant und im Weiteren zu berücksichtigen. Aus Sicht der Dienstgeber wurden die Themen noch nicht hinreichend durchgearbeitet. Die notwendige Abbildung der spezifischen Besonderheiten ist nur unzureichend vorhanden. Wir müssen uns auch hier den Realitäten stellen. Es gibt beispielsweise sehr unterschiedliche Refinanzierungsbedingungen. Daher müssen die AVR für Besonderheiten, z.B. in der Altenhilfe oder der Rehabilitation, flexiblere tarifliche Möglichkeiten bieten.

Konsensual wurde das Thema "Verschlankung und Entschlackung der AVR" diskutiert. Das heutige Werk ist nur noch was für Experten. Hier brauchen wir dringend eine Überarbeitung. Dass diese Aufgabe ein sogenanntes dickes Brett ist, war bzw. ist allen Beteiligten klar. 

Welche Diskussionspunkte sind aus Sicht der St. Franziskus-Stiftung Münster besonders zu beachten?

Das Thema "Altersversorgung" brennt sicherlich allen Trägern unter den Nägeln. Hier darf es keine Denkverbote geben. Mit jedem neuen Arbeitsvertrag, den wir derzeit in unseren Einrichtungen abschließen, wird unter den aktuellen Rahmenbedingungen die Deckungslücke der KZVK größer. Abgeschlossene Verträge haben natürlich Bestand, aber die zukünftigen Verträge müssen neu ausgestaltet werden, damit sie sicher und finanzierbar bleiben. 

Ganz praktisch sehen wir bei der St. Franziskus-Stiftung auch das Thema Entgeltordnung im Fokus der AK. Die Anlage 2 sollte nicht mit heißer Nadel gestrickt werden. Alle Folgen sollten in Ruhe bedacht und abgeschätzt werden. Die Vorgaben der bisherigen Entgeltordnung werfen noch viele offene Fragen auf. Diese sollte man für die Anlage 2 im Vorfeld auffangen. 

Gab es für Sie in Frankfurt neue Vorschläge?

Gut fand ich z.B. die interessanten Arbeitszeitmodelle, die Dr. Schlottfeldt vorgestellt hat. Wie schon gesagt, muss geprüft werden, ob in den AVR schon die notwendigen Spielräume für solche Modelle existieren und wo weitere Flexibilisierungen erfolgen können. Hier sehe ich eine Chance und Herausforderung auch für die betriebliche Ebene. Wir müssen die vorhandenen Instrumentarien der AVR besser nutzen und ausgestalten, um praxistaugliche und attraktive Modelle für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu entwickeln. 

Interessant und hilfreich fand ich auch die Hinweise von Joachim Finklenburg, u.a. zur strukturellen Abbildung von Sparten sowie die Öffnungen bezüglich relevanter Branchenregelungen. Diese Themen wie auch die Reform der Altersversorgung oder die Stärkung der Pflege vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels bearbeitet die AcU ja schon sehr lange. Klar wurde dabei auch, dass wir künftig für tarifliche Entwicklungen und Entscheidungen noch mehr den Austausch zwischen den Unternehmen und der AK benötigen. Es ist gut, die Themen immer wieder im offenen Austausch - wie ihn die AcU-Fachtagung bietet - zu diskutieren und zu benennen. 

Wieder einmal klar geworden ist in Frankfurt, dass wir gemeinsam an all' die unbequemen Fragen heran müssen, sonst könnten die Fliehkräfte für den Dritten Weg der Caritas zu groß werden, was wir unbedingt vermeiden sollten. 

 

Wir danken Herrn Dr. Klaus Goedereis für dieses Interview! 

PS  Die Position "Tarifpolitische Ziele der AcU" ist auf der Startseite der AcU-Homepage  unter
www.a-cu.de  nachzulesen.

Tagungen und Schulungen

Informationen zur AcU-Fachtagung 2017

Unter dem Titel "Zukunft macht erfinderisch - Tarifliche Rahmenbedingungen stärken" fand am 19.09.2017 in Frankfurt im Haus am Dom die AcU-Fachtagung 2017 statt.

Das Programm der Tagung, Vorträge, ein zusammenfassender Bericht und eine Bildergalerie sind auf der Homepage der AcU nachzulesen.

www.a-cu.de

 

AcU-Schulung am 08.11.2017

Aktuelle Rechtsprechung im Arbeitsrecht 2017
Eine rechtssichere Beurteilung arbeitsrechtlicher Fragestellungen setzt die stetige Beobachtung und Analyse der Rechtsprechung voraus. Daher plant die AcU auch im Jahr 2017 wieder eine Schulung, die einen fundierten Überblick über die arbeitsrechtlichen Entscheidungen, die im Laufe des Jahres gefallen sind, anbietet. Die Schwerpunktthemen der Veranstaltung orientieren sich rückblickend an den höchstrichterlichen Entscheidungen des Jahres 2017. Der Referent, Rechtsanwalt Sebastian Witt, wird die Änderungen im Arbeitsrecht erläutern und für die Praxis aufbereiten. Ebenfalls in den Blick genommen werden praxisrelevante Entscheidungen der Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofes sowie deren Auswirkungen auf das nationale Arbeitsrecht.

08. November 2017 in Frankfurt, von 10.30 - 16.00 Uhr
Referent: Sebastian Witt, Rechtsanwalt und Fachanwalt für Arbeitsrecht, BUSSE & MIESSEN, Rechtsanwälte Partnerschaft mbB, Bonn

Informationen + Anmeldeformular

Herausgeber:

Arbeitsgemeinschaft caritativer Unternehmen (AcU)
Wittelsbacherring 11
53115 Bonn

Tel. +49 228 926 166 0
Fax +49 228 926 166 11

info@a-cu.de
www.a-cu.de

Webversion | Newsletter abmelden | Impressum