AcU-Newsletter 04/2015 (November 2015)

Im Interview

Wichtig für den Dritten Weg ist die gelebte Umsetzung des Gedankens der Dienstgemeinschaft

Interview mit Schwester M. Basina Kloos, ehemalige Vorstandsvorsitzende der Marienhaus Stiftung, Neuwied. Weitere Informationen zur Marienhaus Stiftung unter www.marienhaus-stiftung.de.

Schwester Basina, Ende der 90er Jahre haben Sie die Initiative ergriffen und caritative Träger eingeladen, um über die Zukunft des Arbeitsrechts in der Caritas zu sprechen. Diese Gespräche führten zu einem intensiveren Austausch zwischen den Dienstgebern und 2001 ist daraus die AcU hervorgegangen. Was hat Sie damals bewogen, diese Einladung auszusprechen?
Die Herausforderungen für die Einrichtungen wurden immer größer und wir haben Handlungsbedarf für einen Zusammenschluss der caritativen Unternehmen gesehen. Wir suchten nach Möglichkeiten, die sozialen Märkte als wettbewerbsfähige caritative Unternehmen mitzugestalten und so auch unsere Einrichtungen zu sichern. Ein Ziel war und ist die Gestaltung eines passenden Caritas-Tarifs im Dritten Weg z.B. durch Mantel- und Branchenregelungen, die auch tarifliche Lösungen für die Einrichtungen der Rehabilitation umfassen. Nicht zuletzt geht es auch heute noch um die Einführung von flexibleren tariflichen Lösungen in den AVR, um die Bandbreite der Branchen und der verschiedenen Regionen abzudecken.

Seit diesen Anfängen ist im Arbeitsrecht der Caritas viel passiert. Welche Ideen der ersten Stunde wurden bisher in der Praxis umgesetzt?
Wir haben erreicht, dass heute ein intensiver Austausch zwischen den Trägern stattfindet. Es werden Arbeitstagungen und Schulungen angeboten, die Wirkung zeigen. Der Dritte Weg hat im Laufe der Zeit erreicht, dass regionale Tarifanforderungen durch Einführung von Regionalkommissionen berücksichtigt werden. Zuletzt wurden Beteiligungsformen für Gewerkschaften erarbeitet.

Wo sehen Sie die Hauptaufgaben, die noch zu erledigen sind, um den Dritten Weg der Caritas für die Zukunft zu erhalten? Was sind die größten Hindernisse im Dritten Weg?
Sehr wichtig für den Dritten Weg ist die gelebte Umsetzung des Dienstgemeinschaftsgedankens, die dem Verständnis von Kirche und Caritas entspricht, dass alle Beteiligten am Auftrag der Kirche mitwirken, um einen Konsens zu finden, der als beste Lösung im Sinne aller verstanden werden kann. Dafür müssen beide Seiten Abstriche beziehungsweise Zugeständnisse machen. Letztlich kann jede Seite ein Schlichtungsverfahren anrufen, das mit einem verbindlichen Ergebnis für alle endet.
Außerdem benötigt der Dritte Weg der Caritas eine eigenständige Tarifpolitik, die dem Dritten Weg im Vergleich zum TVöD ein eigenes Profil gibt.
Wir müssen attraktive Arbeitsbedingungen anbieten bei gleichzeitiger Wahrung des Verkündigungsauftrags sowie dem sozialen und medizinischen Dienst am Nächsten, um arbeitsmarktpolitisch künftige Belegschaften für die Caritas zu gewinnen und zu binden.
Das kirchliche Arbeitsrecht sollte weiter entwickelt werden, um die kirchenarbeitsrechtlichen Rahmenbedingungen so zu setzen, dass sich die Interessenkonflikte lösen lassen. Die Gestaltung des kirchlichen kollektiven Arbeitsrechts sollte in der Weise erfolgen, dass der Sendungsauftrag der Kirche weiter erfüllt werden und sowohl den Einrichtungen als auch den Mitarbeitern eine Sicherheit für die Zukunft gegeben werden kann. Auch müssen Lösungen gefunden werden für kirchliche Träger, die die Grundordnung nicht mehr anwenden.
Den Herausforderungen, wie z.B. einem Tarifvertrag für die Sozialbranche, sollten wir durch eigene Angebote der Beteiligten im Dritten Weg begegnen, um selbst die Arbeitsvertragsbedingungen auszuhandeln.
Eine besondere Herausforderung sehe ich in der zukunftsfähigen Weiterentwicklung der KZVK. Die geplanten Beitragserhöhungen überfordern langfristig viele Einrichtungen. Eine Reform der KZVK scheint unerlässlich. Das Leistungsversprechen der KZVK für neue Mitarbeiter und eine Beteiligung der Mitarbeiter an den Beiträgen der KZVK müssen diskutiert werden. Die Aufsichtsstruktur der KZVK könnte so gestaltet werden, dass die Träger entsprechend ihrer Beschäftigtenzahl, für die eine Umlage zu zahlen ist, einbezogen werden.

Es gibt - nach meiner Meinung - einige Hindernisse im Dritten Weg: z.B. die Blockade auf Dienstnehmer- und Dienstgeberseite bei wichtigen inhaltlichen Fragen in den Arbeitsrechtlichen Kommissionen und der Wunsch der Dienstnehmerseite nach einseitiger Adaption des TVöD. Nennen möchte ich hier auch die Verdrängung des dienstgemeinschaftlichen Verständnisses - mit dem Wissen um die besondere Bedeutung caritativer Arbeit im Rahmen des kirchlichen Sendungsauftrages - durch triviales Denken von profaner Erwerbsarbeit. Die Flucht aus den AVR durch Outsourcing mangels wirtschaftlich tragfähiger Tarifregelungen innerhalb des Dritten Weges ist sicherlich ein großes Hindernis im Dritten Weg. Durch den Abschluss von Tarifverträgen statt einer Einigung im Dritten Weg (z.B. Diakonie Niedersachsen) wird eine Fehlentwicklung mit Präzedenzcharakter im kirchlichen Bereich geschaffen.

Wir danken Schwester M. Basina Kloos für dieses Interview!

Tagungen und Schulungen

AcU-Fachtagung 2015 - Bericht und Vorträge veröffentlicht

Am 08. Oktober 2015 hat die AcU-Fachtagung "Caritative Unternehmen - Anforderungen an ein katholisches Profil" im Maternushaus in Köln stattgefunden. Wieder war die Fachtagung gut besucht und das Thema wurde von vielen Aspekten her beleuchtet. Rund 70 Teilnehmerinnen und Teilnehmer folgten den Ausführungen der fünf Referenten aus den unterschiedlichsten Bereichen von Kirche, Caritas und Wissenschaft. Abgerundet wurde die Fachtagung durch ein praxisnahes Interview. Alle Vorträge und ein ausführlicher Bericht sind auf der AcU-Homepage unter dem Link  www.a-cu.de/45.html eingestellt und abrufbar. 

Herausgeber:

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