AcU-Newsletter 05/2015 (Dezember 2015)

Im Interview

Zukunftsfähigkeit der konfessionellen Einrichtungen im Blick behalten

Interview mit Dr. Sven U. Langner, Geschäftsführer der Elisabeth Vinzenz Verbund GmbH, Berlin; Mitglied im AcU-Vorstand bis Ende 2015

Der Elisabeth Vinzenz Verbund wurde 2014 gegründet. Er ist einer der größten katholischen Träger von Krankenhäusern, Pflegeeinrichtungen und Ausbildungsstätten in Deutschland mit mehr als 6.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.

Herr Dr. Langner, Sie haben sich in den vergangenen Jahren im Vorstand der AcU engagiert. Welche Themen waren Ihnen während Ihrer Vorstandsarbeit besonders wichtig?
Konfessionelle Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen haben drei wichtige Aufgaben: Sie bewahren die Tradition des wohltätigen Auftrags ihrer Gründer, bieten ihren Patienten und Bewohnern eine hochwertige Versorgung an und müssen gleichzeitig auf dem hochkompetitiven Markt bestehen. Die AcU leistet dabei wichtige Unterstützungsarbeit für die caritativen Einrichtungen, ihren eigenen Weg zu gehen und dabei die Zukunftsfähigkeit im Blick zu behalten. Das war für mich immer ein wichtiges Thema.
Der Elisabeth Vinzenz Verbund betreibt neun Krankenhäuser und ein Altenpflegeheim in sieben Bundesländern - davon befinden sich sieben Krankenhäuser im Bereich der Regionalkommission (RK) Ost. Ich selbst war mehr als 10 Jahre als kaufmännischer Direktor und Geschäftsführer in unseren Krankenhäusern in Dresden und Magdeburg tätig und bin engagiert in den Krankenhausgesellschaften Sachsen sowie Sachsen-Anhalt. Diesen Hintergrund sowie die Erfahrungen aus der Leitung eines überregionalen Krankenhausverbunds habe ich versucht, in die Arbeit für die AcU einfließen zu lassen, insbesondere mit Blick auf die Besonderheiten im Zuständigkeitsgebiet der RK Ost.

Welche Aufgabenschwerpunkte der AcU sehen Sie für die Zukunft?
Es ist generell die Aufgabe des Managements einer Organisation, diese auftragskonform in einer wirtschaftlichen Balance zu halten und gleichzeitig auf die Zukunft vorzubereiten. Caritative Einrichtungen arbeiten heute in Bereichen unserer Gesellschaft, in denen sie zunehmend Spielregeln marktwirtschaftlicher und wettbewerblicher Ausprägung unterworfen sind. Darüber hinaus gibt es andere, überwiegend private Träger, die sich hinsichtlich ihrer Interessen von uns unterscheiden. Wir müssen daher nicht nur unseren traditionellen Auftrag sehen, sondern auch die Rahmenbedingungen unserer Branche, die sich aufgrund verschiedener Einflussfaktoren (Demografie, Finanzierung der Sozialsysteme etc.) nicht unbedingt zu unseren Gunsten verändern. Konkret bedeutet dies: der wirtschaftliche Druck wird weiter zunehmen und dies wird wiederum Einfluss auf die Finanzierbarkeit unserer personalintensiven Strukturen in der Sozialwirtschaft haben.
Aufgabe der AcU sollte es weiterhin sein, diese Blickrichtung beizubehalten und sich innerhalb des Dritten Weges für eine tarifliche Flexibilisierung zu engagieren. Damit werden den Einrichtungen und ihren Leitungen Freiräume geschaffen, um auf die veränderten Umfeldbedingungen - die zunehmend von kirchenfernen Strukturen geprägt werden - adäquat reagieren zu können.
Wenn wir wollen, dass es auch in 10 oder 20 Jahren noch katholische Einrichtungen im Bereich des Krankenhauswesens, der Alten- und Behindertenhilfe usw. gibt, ist es nach meiner Einschätzung angezeigt, das nach wie vor eher traditionell geprägte Tarifsystem weiter zu verbessern und an die uns umgebenen Bedingungen anzupassen, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Ansonsten besteht mittel- und langfristig die Gefahr, dass unsere Träger nacheinander aufgeben und ihre Einrichtungen an andere Betreibermodelle mit weniger selbstauferlegten Restriktionen abgeben. Dafür ist die AcU sozusagen als "Hybrid" zwischen traditionellem katholischem Arbeitsrecht und unternehmerischen Denken genau die richtige Organisation.

Die Elisabeth Vinzenz Verbund GmbH hat viele Einrichtungen im Bereich der RK Ost. Welche Arbeitsschwerpunkte sollten in der RK Ost kurz- bzw. langfristig behandelt werden?
Die Arbeitsschwerpunkte sind zum Teil bundesweit relevant. Wir werden uns insgesamt damit befassen müssen, wie die christliche Tradition in unseren Einrichtungen gewahrt werden kann und wir gleichzeitig auch wirtschaftlich zurecht kommen. Natürlich ist das Umfeld der Krankenhäuser regional unterschiedlich; insgesamt ist die christlich geprägte Bevölkerung an den Standorten unserer Krankenhäuser in der Minderheit - sowohl bei den Patienten, als inzwischen auch bei unseren Mitarbeitern. Dennoch haben unsere Einrichtungen durchweg eine hohe Akzeptanz, weil die Menschen unsere zugewandte und fürsorgliche Haltung gegenüber Hilfebedürftigen sehr schätzen.

Ein wichtiger Schwerpunkt ist aber über den Fokus auf den Patienten hinaus die Gewinnung und Bindung von geeignetem Personal in caritativen Einrichtungen. Wir brauchen engagierte und professionell arbeitende Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die sich mit unseren Werten identifizieren, basierend auf dem christlichen Selbstverständnis der Nächstenliebe. Damit wir diese Menschen erreichen, für uns interessieren und längerfristig binden können, muss einerseits unser Tarifrecht attraktive Gestaltungsmöglichkeiten bieten und andererseits müssen wir die jungen Menschen für unsere Art zu Denken und zu Arbeiten begeistern.
Letzteres geht weit über die unmittelbaren Tarifstrukturen hinaus, ist allerdings ein nicht zu vernachlässigender Aspekt! Dies gilt gerade in der Diaspora, wo der Anteil der christlichen Bevölkerung klein ist, und zudem auch alternative Träger tätig sind, mit denen sich unsere Einrichtungen im Wettbewerb um die motivierten und gut ausgebildeten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter messen müssen. Hier ist der Austausch und die gemeinsame Gestaltung in der AcU sehr wichtig.

Wir danken Dr. Sven U. Langner für dieses Interview!

In eigener Sache

AcU-Vorstandswahl

Im Rahmen der Mitgliederversammlung am 02.12.2015 fand die AcU-Vorstandswahl für die Wahlperiode 2016 bis 2019 statt. In den neuen AcU-Vorstand wurden gewählt:

  • Dr. Thomas Franke, Geschäftsführer, Deutscher Orden - Ordenswerke, Weyarn
  • Thomas Gäde, Geschäftsführer, Stiftung der Cellitinnen zur hl. Maria Hospitalvereinigung St. Marien GmbH, Köln
  • Dr. Klaus Goedereis, Vorstandsvorsitzender, St. Franziskus-Stiftung Münster, Münster
  • Werner Hemmes, Geschäftsführer, Barmherzige Brüder Trier gGmbH, Koblenz
  • Ute Knoop, Geschäftsführerin, Katharina Kasper ViaSalus GmbH, Dernbach
  • Christian Kuhl, Geschäftsführer, Barmherzige Brüder gemeinnützige Träger GmbH, München
  • Bernd Molzberger, Geschäftsführer, cusanus trägergesellschaft trier mbH (ctt), Trier
  • Dr. Matthias Scholz, Bereichsleiter Personal, Malteser Deutschland gGmbH, Köln

Weihnachtsferien

Vom 24.12.2015 bis einschließlich 01.01.2016 bleibt die AcU-Geschäftsstelle geschlossen. Ab Montag, den 04.01.2016, sind wir wieder am Wittelsbacherring 11 in Bonn erreichbar. 

Zum Jahresausklang

Zum Schluss möchten wir allen Leserinnen und Lesern unseres Newsletters für die Aufmerksamkeit in den vergangenen Monaten danken. Wir hoffen auch im Jahr 2016 wieder auf reges Interesse. Der erste Newsletter im neuen Jahr wird im Februar 2016 erscheinen.

Bis dahin wünschen wir allen...

Frohe Weihnachten und alles Gute für das NEUE JAHR 2016!

Ihre AcU-Geschäftsstelle

Herausgeber:

Arbeitsgemeinschaft caritativer Unternehmen (AcU)
Wittelsbacherring 11
53115 Bonn

Tel. +49 228 926 166 0
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